11. Mai 2021 von Crowd Container von Niederhäusern
So direkt wie möglich
«Vom Feld direkt bis an die Haustüre», geht das überhaupt? Ja, aber nur wenn das Feld in unmittelbarer Nähe der Haustüre liegt. Denn zwischen dem Feld und der Haustüre gibt es einiges zu tun, damit die wertvollen Zutaten einwandfrei ankommen und für Freude sorgen. Das Zusammenstellen der individuellen Bestellungen und deren Verteilung auf der letzten Meile sind wohl die Aufgaben, die im Bereich der Logistik am meisten Sorgfalt und Aufmerksamkeit erfordern. Gut zu wissen, dass wir mit der Stiftung Züriwerk eine verlässliche Partnerin gefunden haben, die nicht nur unsere Werte teilt, sondern gleichzeitig auch innovativ ist.
Auch fünf Jahre nach der Gründung von Crowd Container im Jahr 2016 mieten wir noch immer keine eigenen Büroräume, sondern sind glücklich an den geteilten Arbeitsplätzen am ImpactHub in Zürich. Auch besitzen wir kein Lager, keine Lastwagen, Schiffe oder Container. Unsere Fixkosten müssen wir, wie viele andere Start-ups auch, so tief wie möglich halten, um die Unsicherheiten der Geschäftsentwicklung einigermassen auffangen zu können.

Sehr zu unserer Freude läuft es gerade richtig gut. Bald 150 Tonnen Lebensmittel aus einer regenerativen Landwirtschaft in Kerala, Sizilien, Peru und der Schweiz konnten wir seit der Gründung «direkt» an Endkund*innen vermitteln. Etwas weniger aufwendig als heute gestalteten sich die Lieferungen während der Anfangsjahre: Die einheitlichen, bereits im Ursprung konfektionierten Pakete, die mit dem ersten Container aus Kerala ankamen, wurden in Zürich und Bern von der «Crowd» abgeholt. Heute geht das leider nicht mehr. Die individuelle Bestückung der Pakete in Kombination mit der Heimlieferung stellte uns denn auch vor grosse Herausforderungen.

Wir mussten einiges ausprobieren, bis wir da angelangt sind, wo wir heute sind. Beim Filme schneiden heisst es «Kill your Darlings». Und so mussten auch wir in der Kundenlogistik einige Lieblinge aus den Anfangsjahren, wie Selbstabholung oder Velokurierzustellung, mit einem tränenden Auge verabschieden: Zu viele Schnittstellen…zu viele asynchrone Prozesse…und letztendlich zu viele Fehler. «Lieber weniger machen, und dafür richtig» ist auch unser Motto: Umpacken beim Züriwerk und Versand mit den Mehrweg-Dispoboxen der Post.
«Keep it simple» könnte man meinen. Doch wer genau hinschaut, der weiss: Das «Picken», also das korrekte Zusammenstellen und sichere Verpacken der Produkte anhand eines Lieferscheins ist eine Kunst und erfordert Zeit und Konzentration. Im Züriwerk wird für jede Sammelbestellung eine «Picking-Strasse» aufgebaut, in der die Paletten aus den Containern ihren Platz finden und mit grossen Produktbezeichnungen beschriftet und nach Kategorien sortiert aufgereiht sind. Innerhalb von 10-15 Arbeitstagen werden die rund 1’000 Pakete einer Sammelbestellung dann der Post übergeben. Und bereits trifft der nächste Container mit neuen Produkten ein. Es gibt also keine Zwischenlagerung und keinen Zwischenhandel. Die Herkunft der Produkte ist immer 1:1 nachvollziehbar. Sie kommen just in time an und werden umgehend verteilt. So können wir auch ohne schlechtes Gewissen von «direkt» sprechen – mit einem kleinen Umweg über die Kundenlogistik.

In den vergangenen zwei Jahren packten die Mitarbeiterinnen vom Züriwerk so mehr als 15’000 Päckli für Crowd Container. Besonders motivierend an dieser Partnerschaft ist, dass wir gemeinsam sehr viel lernen können. Wir setzen so viel Mehrweg-Materialien wie nur möglich ein, respektieren die Menschen als Menschen und nicht als Maschinen und schliessen Kreisläufe wo immer möglich. So werden bspw. die Kartonverpackungen aus unseren Sammelbestellungen mit einer speziellen Maschine beim Züriwerk so bearbeitet, dass sie in den Mehrweg-Dispoboxen der Post zur Polsterung der Waren verwendet werden können. Durch stetiges Verbessern der Prozesse und der äusserst konstruktiven und sympathischen Zusammenarbeit konnten wir mit der Stiftung Züriwerk die Anzahl der täglich gepackten Mehrweg-Dispoboxen innerhalb der vergangenen 12 Monate verdreifachen – und dies bei weniger als 2% Fehlerquote. Über diese tolle Leistung freuen wir uns ausserordentlich!
Dass wir aber noch lange nicht am Ende angelangt sind mit der Kund*innen-Logistik, ist uns allen klar. Gerade bei der Handhabung der Dispoboxen und im Bereich der Bruchsicherung gibt es noch viel zu optimieren. Wir bleiben dran!










