27. August 2021 von Crowd Container von Niederhäusern
Killen Kühe das Klima?
Wie können wir eine vielfältige, klimapositive Landwirtschaft ermöglichen? Diese Frage treibt uns von Crowd Container an. Ein Besuch bei der Käseproduzentin Braida Dür im Val de Travers machte deutlich, warum an ihrem Standort die Graslandwirtschaft der richtige Weg für eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion ist.
Für eine ökologische und artgerechte Tierhaltung: Graslandwirtschaft
Die zentrale Rolle in der Graslandwirtschaft spielen Kühe. Als Wiederkäuer ist Gras ihr natürliches Futter, das Weideland ist für die direkte menschliche Ernährung ungeeignet. Gleichzeitig pflegen die Kühe durch das Abgrasen das Weideland. Diese Pflege der Weiden und Böden ist aber nur möglich, wenn die Anzahl der Tiere nicht zu gross ist und die Weideflächen ausreichend Erholungszeit erhalten. Trotz dieser positiven Aspekte ist die Graslandwirtschaft nicht unumstritten: Kühe werden gemeinhin als Klimakillerinnen bezeichnet, weil sie bei der Verdauung klimawirksames Methan ausstossen. In Ökobilanzen schneidet Rindfleisch deshalb regelmässig schlecht ab. Was heisst das nun für die Beurteilung der Graslandwirtschaft? Zwei zentrale Punkte sind hierbei zu berücksichtigen.
- Graslandwirtschaft, wie sie von Braida betrieben wird, sorgt für einen geschlossenen Nährstoffkreislauf. Die Kühe ernähren sich ausschliesslich vom Gras rund um den Bauernhof im Val de Travers. Es wird kein Kraftfutter aus Mais oder Soja von aussen zugeführt, sodass die Ackerfläche an anderen Orten für die direkte menschliche Ernährung genutzt werden kann.
- Dank Graslandwirtschaft kann Kohlenstoff in den Böden gespeichert werden. Wie gross der Effekt der CO2-Bindung ist und inwiefern er den Methanausstoss der Kühe kompensieren kann, muss jedoch noch weiter untersucht werden.

Tiere in der Landwirtschaft – Teil des Problems oder Teil der Lösung?
Trotz positiver Seiten der Graslandwirtschaft, eine Landwirtschaft ohne Tiere ist möglich. Dies beweisen beispielsweise unsere Partner*innen in Sizilien, die auch ohne tierische Inputs wie Gülle ökologischen Anbau betreiben können. Als natürlichen Dünger verwenden sie Hülsenfrüchte, darunter Linsen oder Kichererbsen, dank denen dem Boden wieder Stickstoff zugeführt werden kann. Auch in der Schweiz ist ein solcher Anbau grundsätzlich machbar und teilweise schon umgesetzt – jedoch nicht überall. Insbesondere im Berg- und Hügelgebiet ist der Ackerbau aus wirtschaftlichen, aber auch aus ökologischen Gründen nicht sinnvoll. Die sogenannte Graslandwirtschaft ist dort der Schlüssel zum Erfolg und kann aus unserer Sicht zu einer vielfältigen, klimapositiven Landwirtschaft beitragen. Kühe pauschal als Klimakillerinnen zu bezeichnen, ist darum verfehlt.
Unbestritten bleibt aber, dass für die Ernährung der gesamten Weltbevölkerung und die Reduktion der Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft der Konsum tierischer Lebensmittel drastisch gesenkt werden muss.

1kg Mutschli aus Graslandwirtschaft von Braida Dür und Lucas Schmutz bestellen
Hier geht’s zur Sammelbestellung Schweiz


Hinweis zu einem Anlass des Bioforums Schweiz
Samstag, 18. September 2021, 9.30 Uhr bis 16.30 Uhr:
Die Kuh, das Klima und der Boden — Wie gelingt eine positive Entwicklung?